Der persische Windhund (Der Saluki)
Bis jetzt hatte ich keine Veranlassung mir Sorgen um die deutsche Salukizucht zu machen. Aber nun
lese ich seit einiger Zeit Berichte über völlig unbefederte
"Kurzhaarsalukis", welche als dem Standard entsprechende Salukis präsentiert und
propagiert werden. Dies in ihrer ganzen Typenvielfalt. Es handelt sich um Kurzhaarsalukis, welche
in westlichen Ländern wiederendeckt wurden.
Es muß anscheinend sehr wichtig sein, diesen Kurzhaarhund in Mode zu bringen. Dafür
mischen diese Züchter sogar bekannte durchgezüchtete Salukilinien hinein. Dies gibt
zumindest mir Anlaß zur Sorge im Hinblick auf den weiteren Zuchtverlauf in Europa.
Heimat des Saluki ist unbestritten Persien (Iran). Standard erstellendes Land ist jedoch GB.
Dieser Standard wurde aber von ein paar wenigen Briten, welche zeitweilig in verschiedenen
Gebieten des Orients gelebt haben, erstellt.
Zu dieser kleinen Gruppe gehörte u.a. ein Brigadegeneral, der den Orient in seiner
Eigenschaft als Militärangehöriger bereist hat. Wann hatte er die Zeit, in Kurdistan
mit Salukis zu jagen? Das fand wohl eher am Rande der arabischen Wüste mit Scheichs statt,
also in den Grenzgebieten der Verbreitung des Saluki und Sloughi (Syrien, Irak, Jordanien,
Tunesien).
Desweiteren haben europäische Frauen, welche am Anfang des 20. Jahrhunderts gut
behütet mit ihren Männern im Orient lebten, den Standard mitbestimmt.
Hier will ich natürlich nichts gegen Frauen sagen, aber auch sie müßten von der
Geschichte her wissen, daß Frauen im Orient an der Teilnahme von Jagden mit orientalischen
Männern ausgeschlossen waren und Jagden, welche von Europäern ausgerichtet wurden,
entsprachen keinen orientalischen Windhundjagden.
Mehrere Europäer erhielten Salukis oder Sloughis nach einer Jagd als Präsent
geschenkt. Diese Hunde waren meistens reinrassig. Was diese Europäer nicht unterscheiden
konnten, war, daß es sich um verschiedene Rassen handelte. Nur dadurch war es ja über
Jahrzehnte hinweg möglich, lt. Standard 1923, Saluki, Sloughi und Azawak zusammen zu
züchten. Im Austellungsring wurden diese Rassen zusammen gerichtet als eine Rasse. Dadurch
kommen heute in einem Wurf noch Kurzhaar- und Langhaarhunde vor und das Aussehen tendiert nach
Sloughi und Saluki. Wie kann das geschehen ?
Der engl. Standard schreibt kein Herkunftsgebiet fest. Dies wohl nur deshalb, weil sich mehrere
Europäer/ Briten Anfang des 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Kolonialländern mit
für sie ähnlich aussehenden Hunden zusammenfanden. Diesen Importeuren war der
Unterschied der Rassen Saluki, Sloughi und Azawak nicht bewußt, auch wenn sie reinrassige
Tiere besaßen. Aus diesen Züchtungen heraus entstanden diese
"Kurzhaarsalukis". Es ist eine Vermischung.
Ein Beispiel für Vermischung schon im Iran:
Wenn z.B. ein Diplomat in Teheran einen Saluki geschenkt bekam, wollten Botschaftsangehörige
auch solche eleganten Tiere haben. Es wurden dann Bedienstete beauftragt, aus dem Herkunftsgebiet
so einen Hund zu beschaffen. In Teheran sind diese Leute aber durchweg schiitische Muslime,
welche Hunde als unrein ansehen. Diese beauftragten wiederum andere, einen Saluki zu besorgen. Da
aber richtige, reinrassige Salukis nicht frei herum laufen, wurde der Einfachheit ein
salukiähnlicher Hund genommen, um die Botschaftsangehörigen schnell zu versorgen und
ein Bakschisch zu verdienen. Das Ursprungsgebiet ist immerhin ca. 1.000 km weit entfernt von
Teheran. Es war einfacher, von vorbeiziehenden Nomaden, die auf ihren Reisen verschiedenen Hunde
mit sich führten, Saluki ähnliche Tiere zu besorgen. Diese Salukimischlinge wurden
dann, da ja für einen Europäer kaum ein Unterschied zu sehen war, mit dem reinrassigen
Saluki zusammengebracht um Nachwuchs zu züchten.
Was bedeuteten schon Winklungen, Haarkleid und Schnelligkeit? Bei Rückkehr in die
Heimat wurden diese Hunde mitgenommen und als Saluki bezeichnet. Sie sehen also, daß es
durchaus möglich ist, Mischlinge sogar aus dem Iran zu importieren. Ein Saluki oder Sloughi
mußte in GB seine Jagdfähigkeit nicht beweisen. Man bemerkte sogar, daß ein
Saluki nur nach Sicht jagte und nicht mit der Nase. Aus diesem Grunde züchtete man sogar
Setter hinein um den Geruchssinn zu fördern für
die Fuchsjagd. In den USA kamen noch ganz andere Züchtungen zustande.
Da nun immer wieder die züchterische Qualität im Saluki- ursprungsgebiet in Frage
gestellt wird, möchte ich Ihnen einmal beschreiben, wie es dort und nach welchen Kriterien
es zu einer Züchtung kommt.
Das Gebiet des Salukis reicht vom Araratgebirge, Grenzgebiet Kurdistan, seitens der
Türkei und Irak, von Kirmanschah bis in den Nord-Westen des Irans. Das Verbreitungsgebiet
ist wesentlich größer. Aber in diesen Grenzgebieten sind die Mischungen entstanden.
(Syrien, Irak, Saudi Arabien) Im Ursprungsgebiet gibt es natürlich keine Austellungen und
Rennen um nach dort stattgefundenen Erfolgen die Salukis auszuwählen. Es wird auch nicht aus
Sentimentalität heraus gezüchtet. Hier in Deutschland mußte ich mir oft
anhören, daß die Blutlinie auf jeden Fall erhalten bleiben muß, trotz deutlichen
Fehlern und Charaktereigenschaften, welche sich oft schon durch Angst ganz offensichtlich zeigte.
Der Saluki muß jagen können. Das ist seine Aufgabe. Er muß schnell sein,
dafür braucht er die richtigen Winklungen. Der Charakter muß stark und fest sein. Er
muß das richtige Haarkleid haben. Er kann z.B. ohne Befederung zwischen den Zehen eben
nicht über felsigen Untergrund laufen. Er braucht mehr Körperhaare als ein Sloughi um
den Winter zu überleben. Ohne die richtige Winkelung kann er eben nicht schnell und gewandt
genug für die Steinbock/Widder/Hasenjagd sein. Sie können sicher sein, daß ein
Besitzer eines reinrassigen Saluki nur mit einem gleichwertigen Saluki deckt; d.h. eben, er
muß in allem perfekt sein. Dafür legt der Besitzer keine Strecken von 1.000 - 2.000 km
zurück, sondern bleibt in dem vorher beschriebenen Saluki-Gebiet. Er würde auch von
Nomaden keinen Hund zum decken nehmen. Aus diesem Grunde finden Sie dort bei Liebhabern des
Saluki immer eine gleichbleibende Rasse. Die Unterschiede beruhen nur auf der Fellfarbe und
Größe der Tiere. Die Haare sind mal mehr und mal weniger.
Es sind aber immer Befederungen an Ohren (obwohl kupiert) und Rute zu sehen und nie so wenig
und so kurze Haare wie bei diesem "Kurzhaarsaluki".
Enige dieser Salukis sind sicherlich mit der Zeit verkauft oder verschenkt worden und sind
auch in den Besitz von einigen wenigen Europäern gelangt. Es sind aber kaum Europäer in
dieses, teilweise Unwegsame Gebiet gelangt. Es gab dort nichts was sie nach Ihren
Maßtäben gebrauchen konnten. Man ist nur schnell hindurchgereist um z.B. nach
Afghanistan oder Indien zu gelangen. Es gab natürlich auch freilaufende und weggejagte
Mischlingssalukis in Kurdistan und Arabien. Nomaden nahmen diese mit oder ließen sie
zurück, weil die Sloughimischlinge in der Heimat des Salukis für die Jagd nicht
geeignet waren. Die Hunde sind bei den Nomaden reine Selbstversorger. Fütterung war selten.
Diese Mischlinge sahen teilweise bestimmt reinrassig aus. Dadurch wurden sie auch von westlichen
Reisenden in deren Heimat mitgenommen. Bei Züchtungen kamen dann die Mischungen deutlich
heraus. Sie wurden als reinrassige Windhunde in Europa problemlos anerkannt. Der Saluki kann im
Wüstengebiet der Tuaregs wegen des Klimas nicht überleben. Sloughis dafür nicht im
unwegsamen, teilweise felsigen Salukigebiet mit extremen Wintern.
Der Kurzhaarsaluki, welcher uns jetzt in Europa präsentiert wird, ist in meinen Augen
eine Mischung eines Salukis mit einem Sloughi. Extra gezüchtet wird er im Ursprungsgebiet
nicht, denn für die Salukijagd ist er überhaupt nicht geeignet und körperlich auch
dazu nicht in der Lage. Er kann einfach nicht so jagen wie ein reinrassiger echter Saluki. Da bin
ich mir ganz sicher. Auch in letzter Zeit wurden wiederum von Arabern Greyhounds und
Salukis nach Saudi Arabien exportiert. Sie hatten keine Überlebenschance.
Im Grenzgebiet des Saluki und Sloughi hat man schon viel früher Paarungen vorgenommen,
um einen Hund zu haben, der für diese Klimazonen geeignet war. Dafür wollte man die
Schnelligkeit des Saluki und das kurze Haarkleid des Sloughis (wegen der Hitze). Es war eine
beabsichtigte Mischung, welche nicht das brachte was diese Leute beabsichtigt hatte. Daraus
sollte man aber nun keinen "Kurzhaarsaluki" machen. JETZT ist es eine züchterische
Fehlentwicklung aus den USA, GB, den nordischen Ländern. Aus Unwissenheit wird hier diesem
Modetrend gefolgt.
Wieso soll gerade der Saluki so grundverschiedene Tendenzen aufweisen ?
Wir bitten die Verantwortlichen des Salukistandards nochmals verschiedene Punkte zu
überdenken und zu ändern.
Iraj Sattarzadeh, Verfasst in 1986